Psychotherapie, Coaching, Supervision
Mag. Helmut Egger
Psychotherapeut (Systemische Familientherapie)
Klinischer und Gesundheitspsychologe
Kinder- und Jugendlichentherapeut
Praxis: 5023 Salzburg Zeisigstr. 30 (Gemeinschaftspraxis Gnigl)
4020 Linz Volksfeststrasse 12 (Praxisgemeinschaft Rundherum)
Psychotherapie, Coaching, Supervision
Mag. Helmut Egger
Psychotherapeut (Systemische Familientherapie)
Klinischer und Gesundheitspsychologe
Kinder- und Jugendlichentherapeut
Praxis: 5023 Salzburg Zeisigstr. 30 (Gemeinschaftspraxis Gnigl)
4020 Linz Volksfeststrasse 12 (Praxisgemeinschaft Rundherum)

Borderline-Störung

Nachdem der Begriff Borderline ursprünglich für unklare diagnostische Grenzfälle zwischen neurotischen und psychotischen Störungen verwendet wurde (daher der Begriff), wird darunter heute eine klar definierte psychische Störung verstanden, die vor allem durch eine hohe Impulsivität und Instabilität in den zwischenmenschlichen Beziehungen, Stimmungen und im Selbstbild gekennzeichnet ist. Es entstehen immer wieder sehr heftige affektive Zustände, die man wohl nur als Hochstress-Zustände bezeichnen kann ohne für außenstehende Personen ersichtlichen Grund. Im Rahmen solcher Hochstress-Zustände lassen sich natürlich auch zugrundeliegende Emotionen nicht mehr wirklich identifizieren.
„Borderline bedeutet für die Betroffenen Stress rund um die Uhr“ (Schoppmann, Hermann, Tilly: „Borderline begegnen“. Psychiatrie-Verlag 2015, S.19).
Die Instabilität zeigt sich auch in schnell wechselnden Beurteilungen wichtiger Bezugspersonen und der eigenen Personen als ‚nur gut’ oder ‚nur schlecht’. Es gibt nur schwarz und weiß, keine Zwischentöne – und dies kann sehr häufig und sehr schnell wechseln. Immer wieder auftretende Gefühle von innerer Leere werden ebenfalls als typisch beschrieben.
Häufig treten auch selbstschädigende Verhaltensweisen oder Selbstverletzungen auf. Eine Selbstverletzung als eindeutigen Beweis für die Diagnose einer Borderline-Störung zu sehen würde allerdings zu kurz greifen.
Die Fachliteratur zeigt auch eine hohe Rate an Betroffenen mit Missbrauchs-, Misshandlungs- oder Vernachlässigungserfahrungen in der Kindheit, dies trifft aber nicht auf alle Betroffenen zu. Es wird auch eine genetische Beteiligung in der wissenschaftlichen Literatur diskutiert. Mir scheint, die sinnvollste Erklärung der Symptome dieser Störung liegt darin, eine erhöhte Reagibilität der für Angst und Stresssymptome zuständigen Teile des Nervensystems anzunehmen – so dass die beschriebene Intensität und Wechselhaftigkeit resultiert. Eine solche erhöhte Reagibilität kann sich vermutlich aus verschiedenen Ursachen im Verlauf des Lebens entwickeln.

Wichtig für einen erfolgversprechenden psychotherapeutischen Ansatz scheint mir zu sein, auch den Nutzen einzelner Verhaltensweisen als Lösungen im Umgang mit sehr starken Emotionen sehen zu können und damit eine grundlegende Akzeptanz dafür aufbringen zu können: Diese sind zwar einerseits mit starkem Leiden verbunden und dennoch andererseits aktuell (noch) die bestmögliche Problemlösung. Dies gilt auch für Verhalten wie Selbstverletzungen, das eine sehr stark emotionsregulierende Wirkung haben kann – was natürlich nicht ausschließt, dass man im Einzelfall zu der Erkenntnis kommt, dass ein Verhalten zu massiv ist um damit sinnvoll im ambulanten psychotherapeutischen Setting umgehen zu können (das zu entscheiden gehört natürlich zu meiner Sorgfaltspflicht als Psychotherapeut).
Ich glaube jedenfalls ganz fest daran, dass ich als Psychotherapeut als ‚Vorleistung’ Akzeptanz aufbringen muss, um die Klientin dabei zu unterstützen, dass diese für sich selbst Akzeptanz aufbringen kann. Die nächsten Schritte in der Therapie, die als Ziel dazu führen sollen zu solchen symptomatische Seiten meines Verhaltens und Fühlens mehr Distanz zu bekommen, setzen meiner Erfahrung nach als ersten Schritt auch eine Akzeptanz dieser problematischen Seiten voraus. Ich kann problematische Seiten meines Erlebens nicht verändern, in dem ich sie nur bekämpfe.
Weiters brauchen sowohl ich als Therapeut als auch die Klientin einen ‚langen Atem’, um auf lange Sicht stabile Veränderungen erreichen zu können. Dass dies möglich ist, haben mir mehrere KlientInnen, mit denen ich in der Vergangenheit arbeiten durfte, gezeigt.

Es gibt inzwischen einige speziell auf die Borderline-Störung abgestimmte Psychotherapieverfahren, die auf ihre Wirksamkeit erfolgreich untersucht wurden. Am bekanntesten ist sicherlich die auf Marsha Linehan zurückgehende Dialektisch-behaviorale Psychotherapie und das sogenannte ‚Skills-Training’, das ein Teil dieser Therapiemethode ist. Hier geht es um das Erlernen verschiedener ‚Skills’, also Fähigkeiten, die dazu dienen sollen aus den oben beschriebenen Hochstress-Zuständen wieder herauskommen zu können. Solche Skills-Gruppen sind sicherlich ein hilfreicher und wichtiger Teil einer stationären psychiatrischen Versorgung für Borderline-PatientInnen. Auch in der ambulanten Praxis sind solche Skills hilfreich, um ein ganz konkretes Werkzeug in die Hand zu bekommen, wie ich mit Hochstress-Zuständen umgehen kann. Im Rahmen einer erfolgreichen Psychotherapie sollten solche Zustände dann mit der Zeit auch weniger werden.

Eine medikamentöse Unterstützung kann natürlich ebenfalls sinnvoll sein, um die Lernschritte in der Psychotherapie zu unterstützen.